Aktualisiert: Juli 2026 · 9 Min. Lesezeit
Arbeit · Leistungen · Spanien

Arbeitslosengeld in Spanien (paro): Anspruch, Höhe, Antrag

Das beitragsbezogene Arbeitslosengeld (prestación contributiva), umgangssprachlich „paro“, kommt nicht von allein. Du hast nur 15 Arbeitstage (días hábiles) ab dem Ende des Arbeitsverhältnisses, um den Antrag beim SEPE zu stellen — und Höhe und Dauer hängen davon ab, wie viele Beitragstage du gesammelt hast. Eine verpasste Frist kann einen vollen Monat Leistung kosten.

  • prestación contributiva
  • SEPE
  • situación legal de desempleo
  • base reguladora
  • IPREM
360 TageBeiträge in den letzten 6 Jahren — das Minimum
70 % → 60 %der Bemessungsgrundlage — der Satz fällt ab Tag 181
max. 720 TageBezugsdauer (24 Monate) bei voller Beitragshistorie

01Was das „paro“ wirklich ist

Im Alltag heißt es einfach „paro“. Formal geht es um das beitragsbezogene Arbeitslosengeld (prestación contributiva) — Geld, das du dir mit den Beiträgen aus jeder Gehaltsabrechnung selbst erarbeitet hast. Das ist keine Sozialhilfe: Es ist eine Versicherung, in die du eingezahlt hast, solange du legal gearbeitet hast.

Weil das paro auf Beiträgen beruht, hängen zwei Dinge direkt an deiner Beschäftigungshistorie: ob du überhaupt Anspruch hast (mindestens 360 Beitragstage) und wie lange und wie viel du bekommst. Zuständig ist das spanische Arbeitsamt (SEPE — Servicio Público de Empleo Estatal): Dort stellst du den Antrag, und von dort kommt die Zahlung.

Die Schlüsselbedingung heißt rechtlich anerkannte Arbeitslosigkeit (situación legal de desempleo). Kurz: Du musst die Arbeit ohne eigenes Zutun verloren haben — Kündigung durch den Arbeitgeber (despido), Vertragsende, Stellenabbau. Wer selbst kündigt, hat in der Regel keinen Anspruch, weil die Arbeitslosigkeit dann nicht als „unverschuldet“ gilt.

02Wer Anspruch auf das paro hat

Ob du Anspruch hast, entscheidet kein Ermessen eines Sachbearbeiters — es ist eine Prüfung harter Bedingungen. Alle müssen erfüllt sein:

  • Mindestens 360 Beitragstage für Arbeitslosigkeit in den letzten 6 Jahren. Darunter gibt es kein beitragsbezogenes paro — möglich ist dann die Anschlusshilfe für Arbeitslose (subsidio).
  • Rechtlich anerkannte Arbeitslosigkeit (situación legal de desempleo) — Jobverlust ohne eigenes Zutun: Kündigung durch den Arbeitgeber (despido), Vertragsende, Massenentlassung. Eigene Kündigung schließt das paro in der Regel aus.
  • Meldung als arbeitssuchend (demandante de empleo) — und die Meldung muss während des gesamten Bezugs aktiv bleiben.
  • Renteneintrittsalter noch nicht erreicht — mit Erreichen des Rentenalters samt Rentenanspruch gibt es kein paro mehr.

03Wie lange das paro läuft: 4 bis 24 Monate

Die Bezugsdauer ist nicht fix — sie wächst in Stufen mit der Zahl der Beitragstage, die du vor dem Jobverlust gesammelt hast. Die Regel ist simpel: Je länger du eingezahlt hast, desto länger bekommst du paro.

Die Eckpunkte:

  • 360 Beitragstage → 4 Monate Arbeitslosengeld (das Minimum).
  • Rund 1.080 Beitragstage → etwa 12 Monate (der Mittelwert).
  • 2.160 Beitragstage oder mehr → 24 Monate, also maximal 720 Tage Bezug.

Zwischen diesen Punkten steigt die Dauer stufenweise, in festen Intervallen je nach Beitragshistorie. Wichtig: Beitragstage, die schon für ein Arbeitslosengeld „verbraucht“ wurden, zählen kein zweites Mal — die Historie, die das SEPE zugrunde legt, bestimmt also direkt, wie viele Monate du bekommst.

04Wie viel paro du bekommst: die Berechnung

Die Höhe richtet sich nach der Bemessungsgrundlage (base reguladora) — dem Durchschnitt deiner Beitragsgrundlagen aus den letzten 180 gearbeiteten Tagen. Darauf werden zwei Stufen angewendet:

  • Tag 1–180: 70 % der Bemessungsgrundlage (base reguladora). Das ist das erste halbe Jahr.
  • Ab Tag 181: 60 % der Bemessungsgrundlage. Nach sechs Monaten fällt der Satz.

Das Ergebnis wird aber durch Ober- und Untergrenzen gekappt, die am staatlichen Referenzindex für Sozialleistungen (IPREM — Indicador Público de Renta de Efectos Múltiples) hängen und davon abhängen, ob du unterhaltsberechtigte Kinder hast. Für 2026 gelten monatlich etwa: ohne Kinder 560 € bis 1.225 €; mit Kindern mindestens 749 €, maximal 1.400 € bei einem Kind und 1.575 € bei zwei oder mehr.

Anders gesagt: Selbst wenn 70 % deiner Bemessungsgrundlage mehr ergäben, wird auf das Maximum gekürzt — und ergäben sie weniger, wird auf das Minimum angehoben. Zwei Leute mit demselben Gehalt können deshalb unterschiedlich viel bekommen; den Unterschied machen die unterhaltsberechtigten Kinder.

05Antrag beim SEPE: Frist und Schritte

Hier verlieren die meisten — nicht am Anspruch, sondern an der Frist. Du hast 15 Arbeitstage (días hábiles), gerechnet ab dem Tag nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses, um den Antrag beim SEPE zu stellen. Arbeitstage heißt: ohne Samstage, Sonntage und Feiertage — der reale Kalender ist also kürzer, als es klingt.

Die Schritte:

  • Melde dich als arbeitssuchend (demandante de empleo) beim zuständigen regionalen Arbeitsamt — und halte die Meldung aktiv.
  • Stelle den paro-Antrag beim SEPE innerhalb von 15 Arbeitstagen (días hábiles) — online mit digitaler Signatur, über eine Terminbuchung (cita previa) oder telefonisch, je nach Region.
  • Halte die Unterlagen bereit: gültiges Ausweisdokument (DNI, NIE oder Reisepass), die Arbeitgeberbescheinigung (certificado de empresa) bzw. einen Nachweis über das Ende des Arbeitsverhältnisses und eine spanische Kontonummer (IBAN). Mit unterhaltsberechtigten Kindern zusätzlich das Familienbuch oder einen gleichwertigen Nachweis — die Kinder beeinflussen die Grenzen.

Die Arbeitgeberbescheinigung (certificado de empresa) schickt normalerweise die Firma direkt ans SEPE — bestätige trotzdem, dass sie rausgegangen ist: Eine fehlende Bescheinigung ist ein klassischer Verzögerungsgrund. Und wenn du die Frist verpasst, verlierst du in der Regel nicht den ganzen Anspruch — aber die Tage zwischen Fristablauf und tatsächlichem Antrag. Bei einer Leistung, die in Monaten gerechnet wird, ist das echtes Geld.

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06Fehler, die den Anspruch am häufigsten kosten

Ausländische Arbeitnehmer verlieren beim paro am häufigsten nicht am fehlenden Anspruch, sondern an Verfahrensfallen. Diese kosten am meisten:

  • Die 15 Arbeitstage reißen. Die Frist läuft ab dem Tag nach dem Arbeitsende, in Arbeitstagen (días hábiles). Jeder Tag Verzögerung ist verlorene Leistung.
  • Selbst kündigen. Eine eigene Kündigung begründet in der Regel keine rechtlich anerkannte Arbeitslosigkeit (situación legal de desempleo) — und ohne die gibt es kein paro. Wie der Vertrag endet, musst du vor der Entscheidung wissen.
  • Die Arbeitssuchend-Meldung verlieren. Wenn du die Meldung als demandante de empleo nicht erneuerst, wenn das SEPE es verlangt, kann die Zahlung ausgesetzt werden.
  • Die eigene Beitragshistorie nicht kennen. Sie entscheidet über die Dauer (4–24 Monate) und über die Bemessungsgrundlage (base reguladora). Ein Fehler in den SEPE-Daten kann den Betrag drücken.
  • Nach einer Ablehnung schweigen. Gegen eine SEPE-Entscheidung gibt es den vorgeschalteten Widerspruch (reclamación previa) — mit begrenzter Frist. Wer nichts tut, verbaut sich den Weg.
Notiz des Gründers

„RightNOW ist aus einem sehr einfachen Ausländer-Schmerz entstanden: In Spanien kann man im Recht sein und trotzdem Monate an einem Formular, einer Frist oder einem falschen nächsten Schritt verlieren. Deshalb bringen wir hier zuerst die Fakten in Ordnung — und wählen erst dann die Handlung.“

Von Ausländern für Ausländer gemacht

FAQHäufig gestellte Fragen

Wie viele Beitragstage brauche ich für das paro?

Mindestens 360 Beitragstage für Arbeitslosigkeit in den letzten 6 Jahren. Darunter gibt es kein beitragsbezogenes Arbeitslosengeld (prestación contributiva) — möglich ist dann die Anschlusshilfe für Arbeitslose (subsidio).

Wie viel Zeit habe ich für den Antrag?

Du hast 15 Arbeitstage (días hábiles), gerechnet ab dem Tag nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses, um den Antrag beim SEPE zu stellen. Samstage, Sonntage und Feiertage zählen nicht mit.

Wie lange bekomme ich paro?

Von 4 Monaten (bei 360 Beitragstagen) bis 24 Monaten (bei 2.160 Beitragstagen oder mehr) — maximal also 720 Tage. Die Dauer steigt stufenweise mit der Beitragshistorie.

Wie viel Geld bekomme ich?

In den ersten 180 Tagen 70 % der Bemessungsgrundlage (base reguladora), ab Tag 181 noch 60 %. Der Betrag wird durch IPREM-abhängige Grenzen gekappt, gestaffelt nach unterhaltsberechtigten Kindern: 2026 ohne Kinder etwa 560 € bis 1.225 € im Monat.

Bekomme ich paro, wenn ich selbst gekündigt habe?

In der Regel nein. Eine eigene Kündigung begründet keine rechtlich anerkannte Arbeitslosigkeit (situación legal de desempleo) — und die ist Voraussetzung für das paro. Ausnahmen sind eng; kläre vor der Entscheidung, wie der Vertrag endet.

Wer verwaltet das paro?

Das spanische Arbeitsamt (SEPE — Servicio Público de Empleo Estatal), nicht die Sozialversicherung und nicht deine Region. Dort stellst du den Antrag, und das SEPE zahlt aus.

Informationsmaterial, keine rechtliche Vertretung. Anspruch, Höhe und Dauer hängen von deiner Beitragshistorie, der rechtlich anerkannten Arbeitslosigkeit und den Fristen ab. Geprüft: Juli 2026, anhand der SEPE-Regeln zur prestación contributiva.

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